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Milos Rakic

Chief Cultural Officer

  • 25. Apr. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 21. Dez. 2025

Milos Rakic



Warum Unternehmenskultur Führung braucht und keinen wohlklingenden Titel

Unternehmenskultur ist längst kein weiches Randthema mehr. Sie entscheidet darüber, wie Menschen zusammenarbeiten, wie Entscheidungen getroffen werden und wie stabil Organisationen in Zeiten von Veränderung bleiben. Trotzdem wird Kultur in vielen Unternehmen noch immer als Begleiterscheinung betrachtet und nicht als gestaltbare Führungsaufgabe. Genau an diesem Punkt entsteht die Diskussion rund um die Rolle des Chief Cultural Officer.

Der Titel wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Manche reagieren irritiert, andere belächeln ihn. Doch hinter dieser Bezeichnung steckt eine zentrale Frage: Wer trägt in einer Organisation tatsächlich Verantwortung für Kultur. Und wer hat die notwendige Perspektive, Information und Position, um sie wirksam zu gestalten.

In vielen Unternehmen existieren bereits Rollen, die sich mit Personal, Organisation oder Führung beschäftigen. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Größe und Struktur. Personalleitung, Human Resources, People and Culture oder vergleichbare Funktionen. Inhaltlich geht es oft um ähnliche Aufgaben, doch strukturell fehlt diesen Rollen nicht selten der direkte Zugang zur strategischen Ebene. Kultur wird dann verwaltet, aber nicht geführt.

Genau hier setzt der Gedanke eines Chief Cultural Officer an. Nicht als zusätzlicher Titel, sondern als Ausdruck eines notwendigen Rollenverständnisses. Kultur entsteht nicht durch Maßnahmen, sondern durch Entscheidungen. Sie wird geprägt durch Kommunikation, durch gelebte Werte und durch den Umgang mit Verantwortung. Wer Kultur ernst nimmt, muss sie dort verankern, wo Entscheidungen getroffen werden.

Ein zentrales Problem vieler Organisationen liegt im Informationsgefälle. Führungsebenen entscheiden auf Basis von Zahlen, Plänen und Zielvorgaben, während kulturelle Signale oft auf dem Weg nach oben verloren gehen. Mitarbeitende spüren Spannungen, Widerstände oder Überlastung, doch diese Informationen erreichen die Entscheidungsebene entweder gefiltert oder gar nicht. Die Folge sind Maßnahmen, die gut gemeint sind, aber an der Realität vorbeigehen.

Eine klar positionierte Kulturfunktion kann genau hier ansetzen. Sie verbindet Perspektiven, übersetzt Signale und bringt relevante Informationen in Entscheidungsprozesse ein. Nicht als Kontrolle, sondern als Orientierung. Kulturarbeit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, Wohlfühlprogramme zu entwickeln, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen leistungsfähig und verantwortlich arbeiten können.

Unternehmen, die diesen Schritt bereits gegangen sind, berichten nicht von weicheren Strukturen, sondern von mehr Klarheit. Zuständigkeiten werden eindeutiger, Kommunikation direkter und Entscheidungen nachvollziehbarer. Kultur wird nicht mehr als Störfaktor erlebt, sondern als strategischer Erfolgsfaktor. Genau darin liegt der eigentliche Mehrwert.

Aus meiner Sicht geht es bei der Diskussion um den Chief Cultural Officer weniger um die konkrete Bezeichnung als um die Haltung dahinter. Kultur braucht eine Stimme auf Augenhöhe. Sie braucht jemanden, der Prozesse versteht, Menschen analysieren kann und den Mut hat, unbequeme Themen anzusprechen. Nicht gegen die Geschäftsführung, sondern mit ihr.

In meiner Arbeit mit Organisationen erlebe ich immer wieder, wie entlastend diese Klarheit wirkt. Führungskräfte gewinnen Sicherheit, weil sie kulturelle Dynamiken besser einordnen können. Mitarbeitende fühlen sich ernst genommen, weil ihre Realität sichtbar wird. Entscheidungen werden tragfähiger, weil sie nicht nur rational, sondern auch menschlich durchdacht sind.

Der Erfolg solcher Ansätze zeigt sich nicht kurzfristig, sondern nachhaltig. Weniger Reibungsverluste, geringere Fluktuation, klarere Verantwortlichkeiten und ein spürbar stabileres Miteinander. Kultur wird damit nicht zum Selbstzweck, sondern zum Fundament wirksamer Führung.

Ob eine Organisation diese Rolle Chief Cultural Officer nennt oder anders bezeichnet, ist letztlich zweitrangig. Entscheidend ist, dass Kultur nicht länger nebenbei mitläuft, sondern bewusst gestaltet wird. Dort, wo das gelingt, entsteht nicht nur Zufriedenheit, sondern echte Leistungsfähigkeit.

Wenn Sie sich mit der Frage beschäftigen, wie Kultur in Ihrem Unternehmen tatsächlich wirkt und welche Rolle Führung dabei spielt, lohnt sich ein genauer Blick. Nicht auf Titel, sondern auf Strukturen, Entscheidungswege und Verantwortlichkeiten. Genau hier beginnt nachhaltige Organisationsentwicklung.

 
 
Milos Rakic
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