Mobbing ist kein Kavaliersdelikt – oder wie man die Rechnung ohne den Verhaltensanalysten macht
- Milos Rakic
- 5. Juni
- 3 Min. Lesezeit

(Persönliches)
Es gibt Erfahrungen im Leben, die verändern einen.
Nicht, weil man sie sich gewünscht hat.
Sondern weil man gezwungen wird, durch sie hindurchzugehen.
Eine dieser Erfahrungen war für mich Mobbing im beruflichen Kontext.
Und nein.
Ich spreche nicht von Meinungsverschiedenheiten.
Nicht von Konflikten.
Nicht von unterschiedlichen Sichtweisen.
Ich spreche von dem gezielten Versuch, einen Menschen aus einem Unternehmen zu drängen.
Als ich Mobbing das erste Mal erlebt habe
Damals hatte ich weder die Ausbildung noch das Wissen, das ich heute habe.
Ich wusste lediglich:
Irgendetwas stimmt nicht.
Gespräche verstummten, wenn ich den Raum betrat.
Informationen erreichten mich verspätet oder gar nicht.
Entscheidungen wurden plötzlich ohne mich getroffen.
Menschen, die vorher freundlich waren, verhielten sich auf einmal distanziert.
Wer Mobbing erlebt hat, kennt dieses Gefühl.
Man beginnt an sich selbst zu zweifeln.
Man sucht die Schuld bei sich.
Man analysiert jede Situation hundertmal.
Und genau das macht Mobbing so gefährlich.
Es greift nicht nur die berufliche Position an.
Es greift das Sicherheitsgefühl eines Menschen an.
Damals bedeutete das für mich:
Schlaflose Nächte
Grübeln
Angstzustände
Die Ungewissheit nicht aushalten zu können
Die ständige Frage: „Was passiert hier eigentlich?“
'Heute' würde dieselbe Situation anders aussehen
Mittlerweile bin ich ausgebildeter Verhaltensanalyst.
Und genau deshalb betrachte ich solche Situationen heute anders.
Nicht emotionaler.
Sondern strategischer.
Wenn Menschen versuchen, andere auszugrenzen oder aus einem System zu entfernen, entstehen Muster.
Und Muster hinterlassen Spuren.
Menschen sprechen miteinander.
Sie koordinieren sich.
Sie treffen Vorbereitungen.
Sie verändern ihr Verhalten.
Und genau dort wird es interessant.
Denn häufig glauben Menschen, ihre Absichten seien unsichtbar.
Sind sie nicht.
Die Rechnung ohne den Wirt gemacht
Eine Eigenheit von mir ist, dass ich aufmerksam beobachte.
Nicht nur das, was gesagt wird.
Sondern vor allem das, was nicht gesagt wird.
Ich höre Gesprächsfetzen.
Ich beobachte Veränderungen.
Ich analysiere Dynamiken.
Und irgendwann ergibt sich daraus ein Bild.
Fast wie bei einem Puzzle. Ein einzelnes Teil sagt wenig aus.
Doch viele kleine Teile ergeben ein Muster.
Und genau dieses Muster verrät häufig mehr als jede offizielle Aussage.
Deshalb musste ich innerlich schmunzeln, als sich die Geschichte wiederholte.
Nicht weil ich Mobbing lustig finde.
Sondern weil ich mittlerweile erkenne, was passiert.
Meine erste Reaktion war nicht Angst.
Sondern:
„Interessant. Mal sehen, wie ihr euch das vorgestellt habt.“
Rückzug ist nicht immer Schwäche
Viele Menschen glauben, dass man kämpfen muss.
Laut werden muss.
Sich sofort verteidigen muss.
Manchmal stimmt das.
Manchmal aber auch nicht.
Ich habe mich bewusst zurückgezogen.
Ich habe mich bewusst zurückgezogen. Nicht aus Angst. Sondern um nachzudenken.
Um Informationen zu sammeln.
Um Szenarien durchzuspielen.
Um alle Optionen auf dem Tisch zu haben.
Strategisches Denken wird oft mit Passivität verwechselt.
Dabei ist es häufig das Gegenteil.
Das Ergebnis
Am Ende kam es anders als geplant.
Nicht ich habe das Unternehmen verlassen.
Sondern jene Personen, die glaubten, Einfluss auf meine Zukunft nehmen zu können.
Ich blieb.
Sie gingen.
War die Situation angenehm?
Nein.
Hat sie Kraft gekostet?
Definitiv.
Hat sie mich getroffen?
Natürlich.
Wer behauptet, solche Situationen würden spurlos an einem vorbeigehen, lügt entweder sich selbst oder anderen etwas vor.
Der Unterschied liegt lediglich darin, wie man damit umgeht.
Was ich daraus gelernt habe
Mobbing ist kein Kavaliersdelikt.
Es ist kein „Das wird schon wieder“.
Und es ist auch kein Zeichen von Stärke.
Im Gegenteil. Menschen, die andere systematisch ausgrenzen, handeln selten aus Stärke.
Häufig handeln sie aus Angst. Aus Unsicherheit.
Oder aus dem Bedürfnis heraus, Kontrolle zu behalten.
Die wichtigste Erkenntnis für mich war jedoch eine andere:
Nicht jede Schlacht muss laut geführt werden.
Manchmal reicht es, ruhig zu bleiben.
Zu beobachten.
Zu analysieren.
Und den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.
Denn Menschen verraten ihre Absichten oft selbst.
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Der Profiler und Space Coach® deines Vertrauens,
Milos Rakic.
Profiler | Verhaltensanalyst | Supervisor | Psychologischer Berater | Coach
Nicht mit dem Problem beginnen. Mit dem Menschen dahinter.




